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AutLOOK - Österreichpavillon im Querschnitt

Für den Österreichischen Beitrag zur Biennale di Venezia 2020 hat sich ein interdisziplinäres KuratorInnen-Kollektiv, bestehend aus Helga Kusolitsch, YEWO Landscapes und zunder zwo, zusammengefunden, um einen Blick auf die Brennpunkte der aktuellen Architekturentwicklung zwischen Stadt und Land zu werfen.

Für den Österreichischen Beitrag zur Biennale di Venezia 2020 hat sich ein interdisziplinäres KuratorInnen-Kollektiv, bestehend aus Helga Kusolitsch, YEWO LANDSCAPES und zunder zwo, zusammengefunden, um einen Blick auf die Brennpunkte der aktuellen Architekturentwicklung zwischen Stadt und Land zu werfen und diese in einem größeren sozioökonomischen, ökologischen wie gesellschaftlichen Zusammenhang, i.e. planerisch zu betrachten.

2050 leben zwei Drittel der Weltbevölkerung im städtischen Raum. Der Architekturdiskurs dreht sich um urbanistische Agglomerationen und Verknappungsszenarien in allen Belangen. Doch was bedeutet diese Entwicklung für den ländlichen Raum? Eine globale Frage von regionaler Brisanz? Österreich als prototypisches Feld architektonischer Tendenzen? Was passiert in diesem kleinen Land in Mitteleuropa, wo folgt es den Trends, wo bricht es durch?

Ausgewählte Case Studies erzählen Geschichten vom Tatsächlichen und vom Möglichen, von Trends und von Utopien. Regionale Szenerien eröffnen globale Vergleiche und zeigen den Stadt-Land-Antagonismus aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wenn von der urbanen Verdichtung die Rede sein wird, kommen auch die ländlichen Verluste aufs Tapet. Und wo die einen zusammenrücken und die anderen zersiedeln, sind Urban Heat und Bodenversiegelung mit im Paket. Architektonische Lösungen für neue Wohnformen und leerstehende Geschäftslokale finden sich hier ebenso wie Overtourism und umweltgerechtes Planen.

Das kuratorische Konzept sieht größtmögliche Vernetzung vor und basiert auf wissenschaftlich fundierten, mit ExpertInnen unterschiedlicher Disziplinen erarbeiteten Ergebnissen, die in Form einer prägnanten Rauminstallation präsentiert und inszeniert werden und den Ausblick nicht nur in die Zukunft, sondern auch zu den ProtagonistInnen in Österreich suchen. Eine körperliche Annäherung und räumliche Erlebnisse verschaffen unmittelbare Erkenntnisse. Staunen und Schmunzeln verankern die Informationen, deren Brisanz sich durch kleine Irritationen erst auf den zweiten Blick erweist.

Die Architektur im Pavillon wird zum Symbol. Eine schiefe Ebene zerschneidet gleich eines Querschnitts die Hallen, sodass sich der Raum für den darunter wandelnden Besucher analog zu allgegenwärtigen Zukunftsszenarien zunehmend verknappt. Zahlen und Fakten bilden die Untersicht dieses künstlichen Horizontes, der sich stellenweise erweitert und Aussichten in ausgewählte Studien fiktiver Orte schafft, die die Entwicklungen bestätigen wie konterkarieren. Wie Wunderkammern erwachsen die architektonischen Dioramen an der Oberfläche der Gegenwart und reichen in ihrer irritierenden Gestaltung von der Ausgeburt des baukulturellen Schreckens bis zur zukunftsträchtigen Innovation. Die Wegeführung in Richtung und Gegenrichtung spiegelt die Dialektik von Prognosen und Möglichkeiten. Der Wendepunkt im Freiraum lädt zum Austausch, zum Innehalten, zur Diskussion.

Wer einen Durchblick gewinnen will, muss die Anhöhe erklimmen, kommt leicht ins Schwindeln, wird aber mit einem Ausblick belohnt. Denn nur vom französischen Fenster aus eröffnet sich das abschließende selbstreflexive Panorama mit Point de vue im Außenraum der Biennale in Venedig.